Bedeutung:Schwarz wird daher vorwiegend zum Kennzeichen oppositioneller Bereiche wie Magie oder Seeräuberei, kann aber aufgrund seiner distanzschaffenden Wirkung auch als offizielle Tracht vorkommen, etwa am spanischen Königshof. In der Regel jedoch bevorzugt der Adel prächtig leuchtende Gewänder, während das Bürgertum und die einfachen Leute sich meist in unbunte Farben kleiden, weil diese billiger sind und ihrer protestantisch-asketischen Arbeitsethik mehr entsprechen. Die Gleichheitsforderung des Bürgertums findet in der Französischen Revolution 1789 symbolhaften Ausdruck im Beschluss der Nationalversammlung zur Einführung des schwarzen Rockes für die Deputierten als Ehrenkleid des dritten Standes. Charles Baudelaire, von der politischen Entwicklung enttäuscht, kommentiert in seiner Salonbesprechung 1846; „Der schwarze Frack und der Gehrock haben nicht nur ihre politische Schönheit, als ein Ausdruck der allgemeinen Gleichheit, sondern auch ihre poetische Schönheit, als ein Ausdruck der öffentlichen Gemütsverfassung – ein unabsehbarer Zug von Leichenbittern, politischen Leichenbittern, verliebten Leichenbittern, bürgerlichen Leichenbittern. Wir tragen jeder etwas zu Grabe" (Baudelaire 1990, S. 102).
Mit der Revolution von 1848/49 setzt sich dann das auf die Bourbonenherrscher zurückgehende Rot, welches sich die Jakobiner 1791 angeeignet hatten, als Symbolfarbe der revolutionären Republik so eindeutig durch, dass sich auch die Pariser Kommune 1871 für die rote Fahne entscheidet, trotz des Votum von Jules Vallès, der die schwarze vorschlägt. Taucht die schwarze Fahne in der Juli-Revolution 1830 noch zusammen mit der roten auf, so finden 1831 in Reims und Lyon erstmals Arbeiterdemonstrationen statt, bei denen nur die schwarze Fahne mitgeführt wird. Die Aufschriften lauten „Arbeit oder Tod“ (Dommanget 1966, S. 48 f.) bzw. „arbeitend leben oder kämpfend sterben!“ (Perdu 1974, S. 30). Zum festen Zeichen des Anarchismus wird die schwarze Fahne dann 1883. Besonders Louise Michel popularisiert sie bei Versammlungen und Demonstrationen (z.B. am 9. März). Vor Gericht bezeichnet sie die schwarze Fahne als Symbol für Hunger, Elend, Streik, Arbeitslosigkeit und die Niederlage der Kommune (Dommanget 1966, S. 198).
