Sonntag, 20. dezember 2009
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Entgegen mancher Vorstellung ist ein heidnisches Jahreskreisfest kein starres Ritual, wie man es zum
Beispiel von vielen Religionen oder bekannten Festen kennt, sondern lebt vielmehr gerade auch von den Menschen, die es feiern. Vereinfacht ausgedrückt besteht es aus zwei Teilen, einem festen
vorgegebenen, und einem frei gestaltbaren Teil. Vorgegeben ist der Zeitpunkt und der Anlaß, beides wird bestimmt von der natürlichen Ordnung der Natur. Das Mondjahr ist mit 353 Tagen um zwölf Tage
kürzer als das Sonnenjahr, den Zeitraum zwischen dem Ende des alten und dem Beginn des neuen Jahreskreises nennt man deshalb die Zwölften oder auch einfach die Zeit zwischen den Jahren, der unsere
Ahnen besondere Kräfte zuschrieben. Das eigentliche Julfest erstreckt sich also über dreizehn Tage und zwölf Nächte und stellt deshalb einen Höhepunkt des Jahres dar, der angefüllt ist von vielen
Bräuchen und Ritualen. Der Beginn der Julzeit (und gleichzeitig das Ende eines Naturkreislaufes) wird markiert durch die sogenannte Wintersonnenwende, die um den 21. Julmond (Dezember) auftritt. Zu
diesem Zeitpunkt erreicht die Sonne ihren tiefsten Stand und wir erleben den kürzesten Tag und die längste Nacht. Ab jetzt werden die Tage wieder länger, die Kraft der Sonne nimmt zu und bringt uns
schließlich einen neuen Frühling. Dieser Tag und die erste Julnacht wird meistens am ausgiebigsten gefeiert und stellt auch den Mittelpunkt dieses Artikels dar. Da wir in einer sehr unheidnischen
Zeit leben, ist es allerdings nicht immer möglich, das Julfest genau in dieser Nacht zu feiern, deshalb ist es manchmal nötig, die Feier auf den nächstmöglichen Termin, meistens das darauf folgende
Wochenende, zu verlegen. Die eigentliche Ausgestaltung des Festes ist dagegen weitgehend frei und das Einbringen von Eigenem sogar ausdrücklich erwünscht, soweit es dem eigentlichen Gedanken des
Festes entspricht. Gerade zu Anfang ist es aber sinnvoll, sich alter Quellen zu bedienen und sich von anderen Heiden inspirieren oder anleiten zu lassen. Hierzu nun ein paar Eckpunkte und
Vorschläge. Es sollten immer ein oder zwei Personen die Organisation übernehmen, um sicher zu stellen, daß alles gut geplant ist und sämtliche Informationen jeden Teilnehmer rechtzeitig erreichen.
Je nachdem wie eng der Kontakt untereinander ist, empfiehlt sich ein gemeinsamer Thing oder eine Netzkonferenz, sehr bewährt hat sich auch ein kleines Organisationsforum, wenn es regelmäßig benutzt
wird, darin kann jeder alles nachlesen und jederzeit eigene Beiträge beisteuern. Es empfiehlt sich dringend, das Fest rechtzeitig zu planen und die Aufgaben gleichmäßig unter allen Teilnehmern zu
verteilen, wobei es nicht darauf ankommt, daß jeder gleichviel macht oder auf den Pfennig genau die selben Kosten trägt, sondern das jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten seinen Teil zur Feier
beisteuert. Nach Möglichkeit sollen die Vorbereitungen gemeinsam erledigt werden, denn Jahreskreisfeste sind immer Sippen- und damit Gemeinschaftsfeste und kaum etwas stärkt eine Gemeinschaft mehr
als eine zusammen erledigte Aufgabe. Wenn nach dem Aufbau und den Vorbereitungen das eigentliche Fest beginnt, oder wahlweise auch als

Anfang des
Rituals, bietet es sich an, daß einer der Gruppe die versammelte Gemeinschaft mit einem kurzen Vortrag über die Hintergründe des Festes einstimmt. Dies ist besonders wichtig, wenn Personen
teilnehmen, für die heidnische Bräuche mehr oder weniger Neuland darstellen, aber auch erfahrene Heiden ziehen durchaus ihren Nutzen daraus. Was für die Organisation wichtig ist, gilt übrigens auch
für die Durchführung des Rituals. Eine oder mehrere Personen sollten das Ganze leiten, um einen geregelten und damit entspannten Ablauf zu ermöglichen. Ein ganz wesentlicher Aspekt eines
Jahreskreisfestes ist die Spiritualität, die natürlich jeder ein wenig anders empfindet und auslebt, aber zumindest für den überwiegenden Teil der Menschen ist dafür Konzentration bzw. ein
Fallenlassen nötig, um die besondere Stimmung erleben zu können. Unterbrechungen oder kurze Unterhaltungen sind deshalb äußerst störend und unbedingt zu vermeiden. Der symbolische Mittelpunkt des
Julfestes ist die Feuerneuentzündung. Wer die Möglichkeit hat, die Sonnenwende unter freien Himmel zu begehen, sollte natürlich die Gelegenheit nutzen, einen großen Holzstoß aufzubauen. Das Holz
dazu kann man am besten im nächstgelegenen Sägewerk erwerben, im günstigsten Fall wird es sogar am entsprechenden Tag angeliefert. Ansonsten läßt sich schnell ein kleiner Anhänger anmieten. In
jedem Fall sollte man das Holz rechtzeitig vorbestellen, damit es zum trocknen untergestellt wurde, dies bespricht man einfach vorab mit den Leuten des Sägewerks. Wer dagegen innerhalb eines
geschlossenen Raumes feien muß, ist selbstverständlich gezwungen ein wenig zu improvisieren. Eine Alternative kann hier eine Fackel sein, zur Not tut es aber auch eine oder besser noch mehrere
große Kerzen. Sehr schön ist in diesem Zusammenhang übrigens vor Beginn des eigentlichen Rituals eine kurze Fackelwanderung durch die kalte Winternacht, denn wenn man sich für einen Moment der
rauen Kraft der Natur aussetzt, empfindet man hinterher die Hitze des Feuers umso intensiver und kann viel stärker nachempfinden, welche Bedeutung das Feuer einst für unsere Ahnen hatte. Wo es
möglich ist, sollten sich alle in einem Kreis versammeln, denn dies bedeutet für jeden einen gleichberechtigten Platz und bietet für alle die beste Sicht und Akustik. Am Anfang des Rituals sollte
man immer eine Platzweihe durchführen, bei der um den Schutz und den Segen der Götter gebeten und eine Einladung an die Geister, Götter und Ahnen ausgesprochen wird und eine symbolische Abgrenzung
nach Außen gezogen wird. Nun erfolgt eine kurze Begrüßung aller Anwesenden und ggf. ein paar einleitende Worte. Nun ist ein guter Zeitpunkt für eine kurze Geschichte aus der reichhaltigen
Schatzkiste unserer Ahnen, denn jetzt sollte eine allgemeine Grundstimmung eingetreten sein, um sich gedanklich und gefühlsmäßig vom heute zu lösen und in der Zeit zurück zu reisen. Schön sind
unter anderem Erzählungen von den Sitten und Bräuchen der damaligen Feste oder eine der unzähligen Heldengeschichten wie jene von Arminius. Der Hauptteil beginnt damit, sämtliche Feuer zu löschen,
dies könnte beispielsweise eine als Winter verkleidete Person tun, die plötzlich auftaucht und unter einsetzenden Trommelschlägen umhergeht und alle Fackeln und Kerzen auslöscht. Wenn man möchte,
könnte nun eine weitere Person auftauchen, als Sonnengott verkleidet und den Winter in einem kurzem Kampf niederringen. Während anschließend jemand einen Feuerspruch vorträgt, wird das Feuer neu
entfacht. Wer hier die Möglichkeit besitzt, das Feuer mit tatkräftiger Unterstützung aller mit Hilfe eines Feuersteines aus eigener Kraft zu entfachen, sollte dies unbedingt tun. Das Gefühl, ohne
moderne technische Hilfsmittel ein Feuer entzündet zu haben, läßt sich nicht in Worte fassen und ist die absolute Krönung des Rituals. Selbstverständlich kann man das Ganze aber auch deutlich
einfacher handhaben. Es ist ein besonderer Augenblick, wenn man schließlich die Hitze des Feuers verspürt und die Kälte langsam aus dem Körper verschwindet. Einen großen Stellenwert haben immer die
lautstark vorgetragen Ausrufungen, die einen starken Kontrast bilden zur Dunkelheit und Stille der Nacht und einem ermöglichen, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Die Gestaltung der einzelnen
Texte sind hierbei völlig frei in Länge und Form, können eine beliebige Reimform haben oder auch nur kurze Sätze enthalten. Ob man klare Worte verwendet oder lieber mit Hilfe von Symbolen
umschreibt, spielt dabei keine Rolle, was zählt ist nur der Inhalt und was man damit ausdrücken möchte. Im Land der Dichter und Denker sollten die Möglichkeiten hierzu zahllos sein. Auf keinen Fall
fehlen sollte eine kleine Opfergabe, die nun dem Feuer übergeben wird, während oder nachdem ein Opferspruch vorgetragen wurde. Alles was wir haben, verdanken wir der Natur und mit diesem Opfer
beweisen wir unsere Dankbarkeit ihr gegenüber. Heute, wo wir alles in scheinbar unendlicher Fülle jederzeit haben können, ist es wichtiger als je zuvor, die Verbindung zur Natur wieder aufzunehmen
und dies ist einer der Hauptgründe, die Jahreskreisfeste zu begehen. Viele machen hier nämlich den Fehler und denken, es komme vor allem darauf an, vergangene Zeiten möglichst genau nachzuspielen
oder für einen Moment in die Vergangenheit zu reisen und verwenden dadurch viel zu viel Energie an Äußerlichkeiten und übersehen den eigentlichen Kern. Die Natur und ihr ewiger Kreislauf bestand
schon vor dem Auftauchen der Menschen und wird es auch noch nach ihrem Verschwinden. Wir sind nur ein kleiner Teil der Natur, unabhängig von allen Entwicklungen und vermeintlichen Fortschritten und
somit ist ein Naturfest immer nicht nur eine Verbindung zu den Ahnen, sondern auch eine zu dem Leben im hier und heute. Darum geht es letztlich, die Natur zu ehren und bewußt in ihr zu leben. Das
ist auf der einen Seite so weit vom Zeitgeist entfernt wie möglich, andererseits aber auch näher am echten Leben als alles andere. Da mit der Julzeit das alte Jahr endet und bald ein Neues beginnt,
ist dies der richtige Zeitpunkt um über die vergangenen Monate nachzudenken und eine Bilanz zu ziehen. Dies kann man entweder still für sich selber oder auch öffentlich vor allen anderen tun. Sehr
beliebt ist es auch, Vorsätze für das kommende Jahr zu fassen und Pläne zu schmieden. Aus meiner Sicht ist es am sinnvollsten, diese Vorsätze den anderen mitzuteilen und zur folgenden
Sommersonnenwende Bericht darüber abzulegen, denn damit steigt die selbst auferlegte Verpflichtung und die Wahrscheinlichkeit, das man auch tatsächlich tut, wovon man spricht. Ob und wie man dies
in das Ritual oder den Festtag einbaut, bleibt natürlich jeden selbst überlassen. Wer möchte kann das Ritual nun abschließen, in dem ein Methorn einmal die Runde macht und jeder der möchte ein paar
Worte an die Gemeinschaft richtet. Dies können spontane Gedanken sein, eine paar Worte des Dankes oder was einem auch immer sonst auf dem Herzen liegt. Anschließend wird das Ritual mit ein paar
Worten beendet, woraufhin meistens alle in sich gekehrt beim Feuer beieinander stehen und das eben erlebte in Ruhe auf sich einwirken lassen. Den Rest der Nacht verbringt man dann in geselliger
Runde bei gemeinsamen Essen und Trinken, dem Singen von Liedern und feiert ausgelassen so lange man möchte. All dies sind selbstverständlich nur Vorschläge und Anmerkungen aus meiner Sicht
heidnischer Feste und sollte auch so verstanden werden. Abschließend noch ein in meinen Augen besonders wichtiger Hinweis. Versucht möglichst während des ganzen Festes die normale Welt und die
vielen Probleme und Aufgaben zur Seite zu schieben, das gilt besonders für die Gespräche beim geselligen Teil des Abends. Denkt immer daran, dies ist ein Fest, ein Anlaß zu feiern, zu lachen und
eine schöne unbeschwerte Zeit zu haben, diskutiert und gekämpft wird schließlich noch genug. Ich wünsche euch eine schöne Julzeit und möge euer Leben von Sinn erfüllt werden.